Wieso muss ich ganz genau wissen, wer ich bin, um etwas auszuprobieren?

Wieso muss ich sagen können „Ich weiß, wer ich bin.“, bevor ich eine Entscheidung treffen kann?

Wie soll das funktionieren?

Wie soll ich jemals irgendwo ankommen, wenn ich schon vorher wissen muss, dass die Richtung, in die ich gehe, die richtige ist?

Soll ich mich vor Fehlern und Unsicherheit verstecken, indem ich abwarte? Auf den richtigen Zeitpunkt, auf den Geistesblitz, darauf dass sich alles irgendwie von selbst fügt?

„Du musst doch wissen, was du mit deinem Studium mal anfangen willst.“ „Du musst wissen, wer du bist, bevor du Sex hast.“ (Was ist das überhaupt für eine seltsame Aussage?) „Und danach? Was tust du danach? Das musst du doch entscheiden.“

Solche Aufforderungen sagen sich leicht, wenn sie von jemandem kommen, di*er die Antworten für sich kennt und ich verstehe es manchmal nicht ganz. Wenn ich nicht weiß, was ich nach meinem Studium mal tun will, soll ich dann zu Hause sitzen und warten, bis es mir einfällt, bevor ich mich an einer Uni einschreibe? Davon kommt mir bestimmt keine Erkenntnis.

Lasst mich Fehler machen. Lasst zu, dass ich eine Entscheidung treffe, die ich in der Zukunft vielleicht anders treffen würde. Mir zu sagen, dass ich alles schon vorher wissen muss, wird nicht dafür sorgen, dass ich nicht vielleicht mal denke „Oh, hätte ich mich doch anders entschieden.“ und es wird mich auch nicht davon abhalten, verletzt zu werden.

Lasst mich Fehler machen und vor allem lasst mich unsicher sein. Sicherheit lässt sich nicht erzwingen und sie taucht auch vom vielen Nachdenken nicht einfach plötzlich vor mir auf und sagt „Wenn du das tust, wirst du in ein paar Monaten oder Jahren oder Jahrzehnten zufrieden damit sein.“


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2 Gedanken zu “„Lasst mich Fehler machen.“

  • Narina

    Ich bin gerade am Handy, also kurz, aber ich kann das so unterschreiben, unbedingt! Aus Fehlern lernt man, ich habe selbst genug gemacht und ohne sie wäre ich nicht da, wo ich heute bin, du musst noch nichts genau wissen <3

  • LenaHaru

    Hey :)
    Ich weiß irgendwie, was ich beruflich sehr gerne machen will und das irgendwie auch schon seit einer ganzen Weile, aber selbst das kann sich immer noch einmal ändern und ich finde sogar, dass gerade sich auf etwas festlegen, so viel kaputt macht. Man kann sich auf etwas festlegen und denken, es ist das Richtige und am Ende ist es das gar nicht und man ist unglücklich, weil man sich nie den Gedanken erlaubt hat, dass es vielleicht doch nicht das ist, was man möchte.
    Und ich denke irgendwie, dass wir vor allem aus unseren Erfahrungen bestehen. Wie sollen wir welche machen, wenn wir nur „das Richtige“ tun sollen!? Und sowieso, wenn wir alles zerdenken, bringt uns das auch nirgendwo hin.
    Ich finde, es geht im Leben genau darum, sich auszuprobieren. Man kann nichts vorher wissen, auch ganz egal ob man schon mal vorher in der Situation war oder nicht, weil es jedes Mal wieder was neues ist, weil kein Moment gleich ist.
    Ich bin also absolut deiner Meinung. :)