Buchtipps zum Transgender Day of Visibility 2021

Heute ist der internationale Transgender Day of Visibility, also ein Tag, der trans Personen sichtbar machen soll. Deshalb möchte ich heute gerne von ein paar (ok, vielen) Büchern  von trans und/oder nicht-binären Autor_innen bzw. Büchern mit Repräsentation von trans und/oder nicht-binäre Menschen erzählen.  Mehr lesen

On The Come Up von Angie Thomas | Rezension

Angie Thomas zweiter Roman stand schon auf meiner Leseliste seit ich The Hate You Give gelesen habe und vor kurzem bin ich endlich dazu gekommen, es zu lesen beziehungsweise das Hörbuch zu hören, die Rezension bezieht sich als (auch) auf meine Hörerfahrung.

Infos zum Hörbuch

Autor_in: Angie Thomas
Genre: Young Adult Contemporary, (Romance-Nebenplot)
Sprache: Englisch (Deutsche Übersetzung vorhanden)
Seitenzahl/Hörbuchdauer
ISBN (Print): 9780062498564 (Balzer + Bray 2019)

Content Notes: Rassismus, Polizeigewalt, Erwähnung von Drogenkonsum/Suchterkrankung, Erwähnung von Queerfeindlichkeit, Klassismus, Armut, Tod eines Elternteils

 

Kurzbeschreibung

Sixteen-year-old Bri wants to be one of the greatest rappers of all time. Or at least make it out of her neighborhood one day. As the daughter of an underground rap legend who died before he hit big, Bri’s got big shoes to fill. But now that her mom has unexpectedly lost her job, food banks and shutoff notices are as much a part of Bri’s life as beats and rhymes. With bills piling up and homelessness staring her family down, Bri no longer just wants to make it—she has to make it.

On the Come Up is Angie Thomas’s homage to hip-hop, the art that sparked her passion for storytelling and continues to inspire her to this day. It is the story of fighting for your dreams, even as the odds are stacked against you; of the struggle to become who you are and not who everyone expects you to be; and of the desperate realities of poor and working-class black families.

 

 

Meine Meinung

Angie Thomas‘ erstes Buch The Hate You Give ist ja eines dieser Bücher, die immer gern empfohlen werden, wenn es um (YA) Fiction von schwarzen Autor_innen geht und ich finde, One the Come Up hat das mindestens genauso verdient.

Die Bücher befassen sich zwar mit ähnlichen Themen, die Geschichten spielen beide in Garden Heights und es gibt in On the Come Up immer wieder Verweise auf die Ereignisse aus THUG, aber abgesehen davon sind die Bücher sehr verschieden und beide auf ihre Art großartig.

One the Come Up handelt von Bri, einer 16-Jährigen, deren Traum eine Karriere als Rapperin ist. Der Plot ist character driven und es geht viel um (komplizierte) Beziehungen (z.B. zu Familienmitgliedern), was ich immer sehr gern mag.
Das Buch bietet einen Einblick, wie es ist, Schwarz und arm zu sein und in den USA aufzuwachsen und wie struktureller Rassismus und Diskriminierung das Leben von Schwarzen Menschen und die Entscheidungen, die sie treffen (können) beeinflusst.
Bri findet im Laufe der Handlung heraus, wer sie ist bzw. sein möchte und ich fand ihre Charakterentwicklung und die darauffolgende Entwicklung der Beziehungen zu ihrer Familie und ihrer Freundschaften großartig umgesetzt.

Ich persönlich habe beim Lesen von allen Büchern immer einen Blick darauf, ob und vor allem wie Queerness dargestellt wird und ich finde, das Buch ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie queere Repräsentation (z.B. in Form von Nebenfiguren) sensibel umgesetzt werden kann.

Die einzige Kritik, die mir an diesem Buch einfallen könnte, wäre die an Verweisen auf eine gewisse Zauberer-Buchreihe; davon habe ich mittlerweile echt genug. Das zeigt aber nur, wie gut ich das Buch finde.

 

Fünf von fünf zufriedene Katzen; absolute Leseempfehlung!

 

Cemetery Boys von Aiden Thomas | Rezension

Einer meiner Pläne für dieses Jahr ist, möglichst viele Bücher von trans und/oder nicht-binären Personen zu lesen und auf Cemetery Boys von Aiden Thomas hatte ich mich schon gefreut, seit ich das erste Mal davon gehört habe. Ich wurde nicht enttäuscht und mochte es wirklich sehr gern!

Das Buch "Cemetery Boys" von Aiden Thomas liegt neben einem Lesezeichen, auf dem eine schwarze Karze abgebildet ist, auf einer Holzoberfläche


Infos zum Buch

Autor_in: Aiden Thomas
Genre: Urban Fantasy, Romance, Young Adult
Sprache: Englisch
Seitenzahl: 352
ISBN: 9781250250469 (Hardcover, Swoon Reads, 2020)

Content Notes: Transfeindlichkeit, Misgendering & Deadnaming (der Deadname wird nicht ausgeschrieben), Blut, Tod, Rassismus, Geschlechtsdysphorie

 

Kurzbeschreibung

Yadriel has summoned a ghost, and now he can’t get rid of him.

When his traditional Latinx family has problems accepting his true gender, Yadriel becomes determined to prove himself a real brujo. With the help of his cousin and best friend Maritza, he performs the ritual himself, and then sets out to find the ghost of his murdered cousin and set it free.

However, the ghost he summons is actually Julian Diaz, the school’s resident bad boy, and Julian is not about to go quietly into death. He’s determined to find out what happened and tie off some loose ends before he leaves. Left with no choice, Yadriel agrees to help Julian, so that they can both get what they want. But the longer Yadriel spends with Julian, the less he wants to let him leave.

 

Meine Meinung

Was ich mochte

Alles?! Ich mochte die Figuren & die Geschichte & hatte viel Spaß beim Lesen!

Own voices trans rep! Es ist so schön, ein Buch über einen transmännlichen Charakter zu lesen, zu dessen Erfahrungen in vielen Punkten relaten konnte, obwohl meine Situation sich schon ziemlich von Yadriels unterscheidet; ich bin so so so froh, dass es Repräsentation von trans Personen gibt, die nicht passen, ohne dass das Passing als zwingend notwendig dargestellt wird. Ich habe mich sehr gesehen gefühlt.

Ich finde Urban Fantasy ist ein sehr spannendes Genre und mochte hier total gern wie Magie/Fantasy-Elemente mit latinx Kultur in der „realen“ Welt verwoben sind und dass auch die Probleme thematisiert wurden, latinx Personen in den USA erleben, wie z.B. Deportationen.

Während ich es schwierig fand, über die Transfeindlichkeit zu lesen, die Yadriel von Teilen seiner Familie erfährt, war es (leider) auch ein sehr realistisches Szenario, dass er nicht von Anfang so akzeptiert und respektiert wurde wie er ist. Ich mochte aber sehr, dass es hier eine Entwicklung gab und gerade dieser Graubereich (Familie liebt ihn und verstößt ihn nicht, versteht Transgeschlechtlichkeit aber nicht/handelt trotzdem transfeindlich) ist etwas, das viele trans Personen wohl nachvollziehen können und mir persönlich tat es gut, das so zu lesen, obwohl natürlich bedingungslose Akzeptanz und Verständnis eine schönere Vorstellung ist.

Was ich schade fand

Im Magiesystem dieser Welt spielt Geschlecht eine sehr große, binäre Rolle, was sich ja schon in der Kurzbeschreibung des Buches zeigt. Die magischen Fähigkeiten, die Menschen in Yadriels Familie/Gemeinschaft haben, sind geschlechtsabhängig und Yadriel möchte beweisen, dass er genauso ein „richtiger“ Brujo ist, wie die cis Männer in seinem Umfeld.

Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr Raum für nicht-binäre Brujx gegeben hätte. Zwar werden sie an einer Stelle erwähnt, aber es war leider nur ein kurzes Gespräch darüber, dass Yadriel sicher nicht die erste Person ist, die Diskriminierung erlebt, weil er nicht nicht in ein cisnormatives Zweigeschlechtersystem passt.

Ich hoffe ein wenig darauf, dass es irgendwann noch ein weiteres Buch in diesem Universum geben wird, in dem das weiter explored wird und wünsche mir insgesamt, dass es mehr Geschichten gibt, die nicht auf so einem binären Konzept basieren(1), auch wenn es natürlich realistisch ist und Aiden Thomas das meiner Meinung nach so ziemlich auf bestmögliche Art umgesetzt hat. (Ohne die trans own voice hätte ich ein Buch mit einem solchen Magiesystem höchstwahrscheinlich nicht gelesen.)

FazitVier von fünf zufriedenen Katzen!

Ich mochte das Buch wirklich sehr gerne und wenn ich die Bewertung noch detaillierter machen würde, wären es eher 4,5 Katzenköpfe als 4. Ich möchte das Buch auf jeden Fall noch mal rereaden und würde es allen, die YA Urban Fantasy mögen oder gern mehr Bücher mit guter trans Repräsentation lesen wollen, empfehlen!

 


(1) Ich habe vor einiger Zeit einen Blogpost zum Thema „Magische Fähigkeiten und Geschlecht“ geschrieben, in dem ich darauf eingehe, warum solche Magiesysteme meistens sehr problematisch sind.

„Like a Love Story“ von Abdi Nazemian | Rezension

„They won‘t teach it in schools. They don‘t see us. They don’t know we are another country, with invisible borders, that we are a people. You have to make them see. […] You have to remember it. And to share it. Please. Time passes, and peopleforget. Don‘t let them.“ (S. 377)

Ich hatte gehofft, dass ich „Like a Love Story“ von Abdi Nazemian lieben würde und ich bin zwar wegen Stellen wie die im obigen Zitat froh, es gelesen zu haben, aber leider auch sehr enttäuscht von diesem Buch davon.

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