Buchtipps zum Transgender Day of Visibility 2021

Heute ist der internationale Transgender Day of Visibility, also ein Tag, der trans Personen sichtbar machen soll. Deshalb möchte ich heute gerne von ein paar (ok, vielen) Büchern  von trans und/oder nicht-binären Autor_innen bzw. Büchern mit Repräsentation von trans und/oder nicht-binäre Menschen erzählen.  Mehr lesen

Cemetery Boys von Aiden Thomas | Rezension

Einer meiner Pläne für dieses Jahr ist, möglichst viele Bücher von trans und/oder nicht-binären Personen zu lesen und auf Cemetery Boys von Aiden Thomas hatte ich mich schon gefreut, seit ich das erste Mal davon gehört habe. Ich wurde nicht enttäuscht und mochte es wirklich sehr gern!

Das Buch "Cemetery Boys" von Aiden Thomas liegt neben einem Lesezeichen, auf dem eine schwarze Karze abgebildet ist, auf einer Holzoberfläche


Infos zum Buch

Autor_in: Aiden Thomas
Genre: Urban Fantasy, Romance, Young Adult
Sprache: Englisch
Seitenzahl: 352
ISBN: 9781250250469 (Hardcover, Swoon Reads, 2020)

Content Notes: Transfeindlichkeit, Misgendering & Deadnaming (der Deadname wird nicht ausgeschrieben), Blut, Tod, Rassismus, Geschlechtsdysphorie

 

Kurzbeschreibung

Yadriel has summoned a ghost, and now he can’t get rid of him.

When his traditional Latinx family has problems accepting his true gender, Yadriel becomes determined to prove himself a real brujo. With the help of his cousin and best friend Maritza, he performs the ritual himself, and then sets out to find the ghost of his murdered cousin and set it free.

However, the ghost he summons is actually Julian Diaz, the school’s resident bad boy, and Julian is not about to go quietly into death. He’s determined to find out what happened and tie off some loose ends before he leaves. Left with no choice, Yadriel agrees to help Julian, so that they can both get what they want. But the longer Yadriel spends with Julian, the less he wants to let him leave.

 

Meine Meinung

Was ich mochte

Alles?! Ich mochte die Figuren & die Geschichte & hatte viel Spaß beim Lesen!

Own voices trans rep! Es ist so schön, ein Buch über einen transmännlichen Charakter zu lesen, zu dessen Erfahrungen in vielen Punkten relaten konnte, obwohl meine Situation sich schon ziemlich von Yadriels unterscheidet; ich bin so so so froh, dass es Repräsentation von trans Personen gibt, die nicht passen, ohne dass das Passing als zwingend notwendig dargestellt wird. Ich habe mich sehr gesehen gefühlt.

Ich finde Urban Fantasy ist ein sehr spannendes Genre und mochte hier total gern wie Magie/Fantasy-Elemente mit latinx Kultur in der „realen“ Welt verwoben sind und dass auch die Probleme thematisiert wurden, latinx Personen in den USA erleben, wie z.B. Deportationen.

Während ich es schwierig fand, über die Transfeindlichkeit zu lesen, die Yadriel von Teilen seiner Familie erfährt, war es (leider) auch ein sehr realistisches Szenario, dass er nicht von Anfang so akzeptiert und respektiert wurde wie er ist. Ich mochte aber sehr, dass es hier eine Entwicklung gab und gerade dieser Graubereich (Familie liebt ihn und verstößt ihn nicht, versteht Transgeschlechtlichkeit aber nicht/handelt trotzdem transfeindlich) ist etwas, das viele trans Personen wohl nachvollziehen können und mir persönlich tat es gut, das so zu lesen, obwohl natürlich bedingungslose Akzeptanz und Verständnis eine schönere Vorstellung ist.

Was ich schade fand

Im Magiesystem dieser Welt spielt Geschlecht eine sehr große, binäre Rolle, was sich ja schon in der Kurzbeschreibung des Buches zeigt. Die magischen Fähigkeiten, die Menschen in Yadriels Familie/Gemeinschaft haben, sind geschlechtsabhängig und Yadriel möchte beweisen, dass er genauso ein „richtiger“ Brujo ist, wie die cis Männer in seinem Umfeld.

Ich hätte mir gewünscht, dass es mehr Raum für nicht-binäre Brujx gegeben hätte. Zwar werden sie an einer Stelle erwähnt, aber es war leider nur ein kurzes Gespräch darüber, dass Yadriel sicher nicht die erste Person ist, die Diskriminierung erlebt, weil er nicht nicht in ein cisnormatives Zweigeschlechtersystem passt.

Ich hoffe ein wenig darauf, dass es irgendwann noch ein weiteres Buch in diesem Universum geben wird, in dem das weiter explored wird und wünsche mir insgesamt, dass es mehr Geschichten gibt, die nicht auf so einem binären Konzept basieren(1), auch wenn es natürlich realistisch ist und Aiden Thomas das meiner Meinung nach so ziemlich auf bestmögliche Art umgesetzt hat. (Ohne die trans own voice hätte ich ein Buch mit einem solchen Magiesystem höchstwahrscheinlich nicht gelesen.)

FazitVier von fünf zufriedenen Katzen!

Ich mochte das Buch wirklich sehr gerne und wenn ich die Bewertung noch detaillierter machen würde, wären es eher 4,5 Katzenköpfe als 4. Ich möchte das Buch auf jeden Fall noch mal rereaden und würde es allen, die YA Urban Fantasy mögen oder gern mehr Bücher mit guter trans Repräsentation lesen wollen, empfehlen!

 


(1) Ich habe vor einiger Zeit einen Blogpost zum Thema „Magische Fähigkeiten und Geschlecht“ geschrieben, in dem ich darauf eingehe, warum solche Magiesysteme meistens sehr problematisch sind.

„Like a Love Story“ von Abdi Nazemian | Rezension

„They won‘t teach it in schools. They don‘t see us. They don’t know we are another country, with invisible borders, that we are a people. You have to make them see. […] You have to remember it. And to share it. Please. Time passes, and peopleforget. Don‘t let them.“ (S. 377)

Ich hatte gehofft, dass ich „Like a Love Story“ von Abdi Nazemian lieben würde und ich bin zwar wegen Stellen wie die im obigen Zitat froh, es gelesen zu haben, aber leider auch sehr enttäuscht von diesem Buch davon.

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Magische Fähigkeiten und Geschlecht?

CN | Dieser Text behandelt Erasure von nicht-binären Personen, Inter-/Transfeindlichkeit, Biologismus

 

might be an unpopular opinion, aber ich finde, magische Fähigkeiten an Geschlecht zu knüpfen, insbesondere in Urban Fantasy u.ä., ist in jeder Form extrem schwierig, problematisch und mit großer Wahrscheinlichkeit trans-, nicht-binär- und/oder interfeindlich und/oder sexistisch. (@Herzschlaege, 19.01.2021)

Vor einer Weile habe ich auf Twitter ein paar Gedanken zum Thema „magische Fähigkeiten an Geschlecht knüpfen“ aufgeschrieben & weil eigentlich mal dieser Blog für längere Gedanken und Meinungen gedacht war, möchte ich den Thread auch hier in Form eines Posts veröffentlichen. (Das hat auch den Vorteil, dass ich nicht mein halbes Twitter-Archiv durchsuchen muss, wenn ich mal wieder aus irgendeinem Grund den Thread verliere.) Falls du die Tweets zum Thema schon kennst, wird dieser Post nicht viel Neues enthalten, aber natürlich freue ich mich auch, wenn du meine Gedanken noch einmal lesen möchtest.

Falls du gerne etwas über konkrete Beispiele für Medien (u. a. Serien, Filme und Bücher) lesen möchtest, in denen es magische Fähigkeiten gibt, die in irgendeiner Form an Geschlecht geknüpft sind bzw. werden, findest du welche am Ende dieses (englischsprachigen) Artikels von tvtropes.org. Achtung: Dieser Artikel versucht zwar, inklusiv zu sein, reproduziert aber trotzdem an einigen Stellen biologistischen Binarismus und Cissexismus. (Die einzelnen Beschreibungen der Beispiele habe ich nicht gelesen, ich weiß daher nicht, inwiefern sich das auch durch diese Texte zieht.)

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nicht-binär & schwul? | Trans Day of Visibility

Heute ist Trans Day of Visiblity. In den letzten zwei Jahren habe ich begonnen, Blogeinträge zu meinem Geschlecht zu schreiben und etwas Ähnliches möchte ich heute auch machen.

Heute morgen habe ich einen Thread getwittert, in dem ich darüber schreibe, wie ich mein Geschlecht beschreibe.

 

Hier möchte ich ein bisschen über ein etwas spezifischeres Thema schreiben, über das ich schon lange nachdenke und bei dem ich in letzter Zeit etwas für mich erkannt habe.

Der Titel dieses Posts deutet schon an, worum es geht. Nämlich darum, inwiefern mein nicht-binäres Geschlecht sich zu meiner Sexualität verhält.

Auf Curious Cat habe ich vor kurzen schon etwas dazu geschrieben, was ich hier noch ein bisschen vertiefen will.

 

„Bin ich vielleicht eine schwule Frau?“

Diese Frage habe ich mir vor einigen Jahren – ich tippe auf 2009 oder 2010 gestellt. Ich war 13 oder 14 Jahre alt, las seit einiger Zeit viele Slash-Geschichten, also Geschichten, die von romantischen/sexuellen Beziehungen zwischen Männern handeln. Durch Zufall bin ich über ein Essay zu schwulen Frauen gestoßen. Ich habe es gelesen, hatte zwischendurch „Oh! Das kommt mir bekannt vor!“-Gedanken und habe die dann ziemlich schnell wieder verworfen. (Ich kann heute nicht mehr sagen, was genau mich dazu gebracht hat, nicht weiter darüber nachzudenken, aber ich tippe auf eine Kombination aus Verwirrung und internalisierter Cis- und Heteronormativität. Das war aber der erste Kontakt mit diesem Thema und als ich angefangen habe, mein Geschlecht mehr zu hinterfragen, ist mir dieser Essay ziemlich schnell wieder eingefallen.

 

Nicht-binär und schwul? 

Ich bin nicht-binär, transmaskulin, mag das Label demiboy und nenne mich der Einfachheit albern gern auch einfach queer. (Letzteres bezieht sich auf meine Sexualität und mein Geschlecht.)

Ich habe lange in verschiedenen Ausführungen Dinge wie „ich würde mich total gern schwul/gay nennen können, aber ich bin ja keine richtige männliche Person™️ und außerdem stehe ich ja nicht nur auf Männer, sondern auch auf Personen anderer Geschlechter“ gedacht.

In letzter Zeit komme ich aber langsam an einen Punkt, an dem ich verstehe, dass es okay ist, dieses Label für mich zu benutzen. Ich nehme damit weder anderen Personen noch mir etwas weg, wenn ich mich so bezeichne. Ich denke nicht, dass ich es als Hauptlabel für meine Sexualität benutzen werde, aber für mich passt es gut und daher darf es ab jetzt einfach neben „bi-/pansexuell“ und queer existieren.

 

 

Ich bin nicht die erste Person, die sich Gedanken über solche Themen macht, daher gibt es hier jetzt noch ein paar Links.

Hier wurde auf einem Blog die Frage „Kann ein NB schwul sein?“ beantwortet.

Jackson Bird spricht in einem YouTube-Video darüber, wieso er lange dachte, trans Männer könnten nicht schwul sein. Seine Erfahrung ist etwas anders als meine, da er binär trans ist, aber das Video zeigt meiner Meinung nach gut, wieso Repräsentation so wichtig ist.