Baby Butch von Lou Conradi | Rezension

Es ist erst Februar, aber ich bin jetzt schon sicher, dass Baby Butch am Ende des Jahres zu meinen Lieblingsbüchern, die ich 2021 gelesen habe, gehören wird. Der Versuch, einer Rezension.

Infos zum Buch

Autor_in: Lou Conradi
Genre: Contemporary Fiction
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 238
ISBN: 9783960420705 (Taschenbuch, edition assemblage, 2019)

Content Notes: Polizeigewalt, Rassismus, Transfeindlichkeit, Sex, Masturbation, BDSM, sexuelle Übergriffigkeit, psychische Erkrankungen, Suizid, Schwangerschaft

 

Kurzbeschreibung

Was hat das Einhorn mit der Jungfrau Maria zu tun und Feminismus mit Waffenexport? Gibt es die unbefleckte Empfängnis wirklich, hilft BDSM gegen Polizeigewalt und was können trans Menschen erwidern, wenn sie mal wieder gefragt werden: „Was bist du?“

Spätsommer 2015, Berlin. Während in Heidenau und Freital rassistische Mobs Geflüchtete angreifen, planen Steph, eine linksradikale Butch, und Maria eine kommunistische trans Frau, zusammen ein Kind zu bekommen. Mit Erfolg! Steph ist schwanger!
Was als alternative Familiengründung geplant war, ist jedoch schnell ein Chaos aus Beziehungsgesflechten und Existenzängsten. Zwischen Polizeigewalt, Transition und Wohnungslosigkeit versucht eine Gruppe junger, impulsiver Queers, Kontrolle über ihr Leben zu behalten, während um sie herum die politische Lage längst außer Kontrolle geraten ist.

Meine Meinung

Baby Butch ist kein schönes Buch, kein einfaches Buch, kein Wohlfühlbuch. Und gleichzeitig irgendwie doch. Das klingt widersprüchlich, ist es vielleicht auch. Aber auch gleichzeitig die beste Möglichkeit, wie ich es irgendwie beschreiben konnte. Baby Butch zu lesen hat mir sehr gut getan.

Die Figuren sind kompliziert, unperfekt und politisch. Sie bemühen sich, richtig zu handeln und machen trotzdem Fehler, verletzen und tun einander weh, verzeihen (oder auch manchmal nicht) und können Trost ineinander finden (oder eben auch nicht).

Das Buch bringt viele Fragen auf, zu Aktivismus, dazu was es heißt, links und politisch und queer zu sein, zum Umgang miteinander, mit den eigenen Privilegien und mit Fehlern. Es gibt aber nicht unbedingt Antworten auf diese Fragen oder Lösungen für Probleme und ich finde, das ist genau richtig so, da es auf viele dieser Fragen gar nicht die eine Antwort gibt oder geben kann.

Beim Lesen erlebt eine_r einen Ausschnitt einer Entwicklung, eines Prozesses, mit, der in und zwischen den Figuren (und besonders natürlich in der erzählenden Hauptfigur Steph) stattfindet. Das Ende lässt offen, wie diese Entwicklung weitergeht – abgeschlossen ist sie in jedem Fall nicht.

Als trans Person habe ich mich von diesem Buch sehr gesehen gefühlt. Transition und nachdenken über Geschlecht ist Alltag, aber nicht das einzige Thema, das die Figuren ausmacht. Cis Bullshit existierte, war aber ganz klar nicht okay und mehr hätte ich mir kaum wünschen können.

Fazit

Fünf von fünf zufriedenen Katzen!

Und eine Leseempfehlung für alle, die links, antifaschistisch, queer, trans sind. Und auch für alle anderen. Ich bin froh, dass es dieses Buch gibt, das gleichzeitig unbequem ist, zum Nachdenken anregt, und trotzdem auch irgendwie sehr schön.

 

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